Unser pädagogisches Konzept - seit 1991 immer weiter entwickelt



Wo Kinder sich wohlfühlen, arbeiten sie gerne! Dafür arbeiten wir - gerne.

PÄDAGOGISCHES KONZEPT

Gliederung

I. Allgemeine und schulrechtliche Grundlagen

II. Bildungs- und schulpolitische Rahmenbedingungen

Ill. Grundlagen und Ziele aus christlicher Sicht

IV. Konkretisierung im Schulalltag

V. Anmerkungen und Literaturhinweise

gültig seit September 1991

I. ALLGEMEINE UND SCHULRECHTLICHE GRUNDLAGEN

1. Mit der Evangelischen Schule besteht eine staatlich anerkannte Grund- und Hauptschule im Sinne des GG Artikel l. Absatz 4 und 5 und auf der Grundlage des BayEUG.

Dabei stellt sich die Evangelische Schule bewusst unter den Bildungs- und Erziehungsauftrag, wie er in Art. 131 der Verfassung des Freistaates Bayern und in Art. 1 und 2 des BayEUG formuliert ist. Wir sind dankbar dafür, dass "Ehrfurcht vor Gott" in Bayern oberstes Bildungsziel ist und christliche Erziehung von Kultusministerium und Regierung immer wieder eingefordert wird. Dieses Anliegen wollen wir mit allen Kräften unterstützen. Dabei sehen wir uns nicht als Konkurrenz zu den staatlichen Schulen, sondern im Sinne des BayEUG als Ergänzung und Bereicherung. Wir bemühen uns um fruchtbare Zusammenarbeit mit den Schulen vor Ort. 

2. In die Evangelische Schule werden alle Schülerinnen und Schüler aufgenommen, die die notwendige schulrechtliche Voraussetzung hierfür besitzen. 

Eine Sonderung nach Konfession, Religion, Nationalität, Rasse, politischer Einstellung oder Besitzverhältnissen der Eltern erfolgt nicht. Mit der Unterschrift bei der Anmeldung des Schülers bejahen die Eltern das Erziehungskonzept der Evangelischen Schule.

 

II. BILDUNGS- UND SCHULPOLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN

Die allgemeinen Bedingungen, unter denen die Evangelische Schule ihren Bildungsauftrag verwirklicht, möchten wir durch folgende drei Motive beschreiben:

1. Die Evangelische Schule soll eine Schule sein, in der sich die pädagogische Effizienz durch die Freiheit zur Auswahl fachlich befähigter und in ihrem Glauben überzeugter Lehrer erweist. 

Diese Voraussetzung der freien Lehrerwahl ist an den staatlichen Schulen so nicht gegeben. "Auch wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen eine christliche Schule vorsehen, so haben wir doch faktisch eine Schule unter pluralistischen Bedingungen. (...) Wo haben wir ein Kollegium, das sich einem gemeinsamen, inhaltlich gefüllten Erziehungskonzept verpflichtet weiß?" (1) 
Der Heranwachsende ist bereits im Kindesalter sehr unterschiedlichen und zum Teil gegensätzlichen Strömungen und Einflüssen ausgesetzt Ein Kind, das zu früh widerstreitenden Autoritäten unterliegt, kann nur schwer einen eigenen Standpunkt gewinnen, von dem aus später Auseinandersetzung oder auch Revision möglich ist. Selbst wenn Schule kein umhegter Schonraum sein kann, so ist doch eine gewisse pädagogische Richtungsgleichheit unerlässlich, soll die Personwerdung des Kindes nicht erschwert oder gar geschädigt werden. An dieser Stelle hat eine Evangelische Schule das Recht und die Chance, die Auswahl der Lehrer in inhaltlicher Übereinstimmung mit dem Erziehungskonzept der Schule zu treffen.

2. An der Evangelischen Schule sollen Eltern, Lehrer und Schulträger in der gemeinsamen Verantwortung für die ihnen anvertrauten Kinder stehen. 

Trotz unterschiedlicher Bemühungen beschränkt sich die Einbeziehung der Eltern an vielen Schulen im Wesentlichen auf eine formale Mitwirkung. "Eine demokratische Verwirklichung der Schulmitwirkung ist bisher ausgeblieben." (3). 
Verschiedene empirische Untersuchungen der letzten Jahre weisen jedoch u.a. auf die positive Wirkung der Einbeziehung der Eltern in das Schulgeschehen hin. (4) 
Wir möchten deshalb den Spielraum der Evangelischen Schule nutzen. Eltern, Lehrer und Schulträger sollen in den Selbstverwaltungsorganen der Schule gemeinsam Verantwortung tragen. 

3. Durch die Gestaltung von Schulgemeinschaft soll an der Evangelischen Schule ein vertrauensvolles Miteinander von Elternhaus und Schule angestrebt werden. 

Die Einbeziehung der Eltern soll sich nicht auf die administrative Ebene beschränken. Neben der Mitverwaltung legen wir Wert auf Mitgestaltung des Schullebens und auf verantwortliche Beteiligung an der schulischen Erziehungsarbeit. 
Wir hoffen und wünschen, dass durch die gemeinsame Verantwortung auf verschiedenen Ebenen eine innere Verbundenheit der Beteiligten und eine die Schule tragende Gemeinschaft entsteht. Dabei sei es das Ziel aller Mitglieder, dass sie zu einer wahrhaft christlichen Schulgemeinschaft zusammenwachsen(5). 

 

III. GRUNDLAGEN UND ZIELE AUS CHRISTLICHER SICHT

Das Leben und die Gestalt der Evangelischen Schule ist von dem Interesse geleitet, nicht nur das Wohl, sondern auch das Heil des Kindes im Auge zu haben. Es geht nicht nur um Wissensvermittlung, um Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch um die Frage der persönlichen Lebensgestaltung. 
Kindern, Lehrern und Eltern soll es deshalb möglich sein, sich in einer Atmosphäre der Freiheit an Jesus Christus und seiner Botschaft auszurichten und einander zu einem Leben im Glauben zu ermutigen. 
Grundlage für die Wahrnehmung der pädagogischen Verantwortung in der Evangelischen Schule ist das allen christlichen Kirchen gemeinsame Apostolische Glaubensbekenntnis und die folgenden, daraus abgeleiteten theologischen Grundsätze. 

1. Gott ist Schöpfer des Lebens und der Welt. 
Das verleiht dem Menschen Würde und ruft ihn zur Verantwortung. 

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde (1.Mose 1, 2l). Er hat ihm sein Wesen gegeben und seine Seele, die zur Gemeinschaft mit ihm bestimmt ist. Was unsere Verfassungen mit dem Begriff "Menschenwürde" umschreiben, hat hier seine Grundlage. Darin hat jeder Mensch Würde, dass er Gottes Geschöpf und Bild ist. Selbst in dem gefallenen Menschen ist nach lutherischer Tradition eine "Imago Dei generaliter" d.h. eine grundlegende Gottebenbildlichkeit, zu finden. 
Als Erzieher müssen wir immer wieder durch das äußere Erscheinungsbild des Menschen hindurchblicken auf die Würde, die Gott jedem Menschen und damit jedem Kind gegeben hat, auch dem Kind, das uns zutiefst enttäuscht. Die Kinder sollen dabei erkennen, dass die Ordnungen, Gebote und Verhaltensregeln, die unter uns gelten, ihren Sinn durch das Doppelgebot der Liebe bekommen: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst (Lukas 10.27). Dieses Gebot ist zugleich der Maßstab, an dem alles (Verhalten, Ordnungen, Strukturen) zu messen ist. 
Gott erwählte den Menschen als seinen Stellvertreter in dieser Welt (1.Mose 1, 26-28). Geleitet von Gottes Wort, soll er die Erde nicht ausbeuten und zerstören, sondern "bebauen und bewahren" (1. Mose 2,15). Wenn der Mensch allein bestimmt, was er tun will, ohne auf Gott zu hören, bringt er sich selbst und die ihm anvertraute Welt ins Unglück. 
Schritt für Schritt soll jeder seine Verantwortung für das eigene und das gemeinsame Leben und für die ganze, uns von Gott anvertraute Welt, erkennen und lernen, sie gern zu übernehmen." 

2. Der Mensch ist Sünder und lebt in einer sündigen Welt. Er ist durch das stellvertretende Handeln Jesu Christi vor Gott gerechtfertigt und hat unter dieser Voraussetzung Teil an einem neuen Leben. 

Dieses neue Leben soll dem Schüler bewusst und vertraut werden durch Lehrer, die sich an Jesus und seiner Botschaft orientieren wollen. Nur so können sie den Schülern Vorbild im Blick auf die Gestaltung und Bewältigung des Lebens nach christlichen Maßstäben sein. Je stärker dabei die christliche Erziehung den Bereich des persönlichen Glaubens berührt, umso sorgfältiger sind Druck, Manipulation und autoritäre Forderungen fernzuhalten. Dennoch werden das Kind und auch der Lehrer die Wirklichkeit des Bösen aus dem eigenen Innern (Röm. l, 15-19), aus den gesellschaftlichen Verhältnissen und auch im Miteinander an der Schule erfahren. Hier gilt es, Schuld nicht zu verharmlosen oder zu verdrängen, sondern sie zu bekennen und die Vergebung Gottes anzunehmen. Dabei verhelfen die Gebote zur Erkenntnis der Sünde und geben Orientierung für richtiges menschliches Verhalten. 
In solchen Situationen kommt der Auseinandersetzung mit Konflikten, der Überwindung des Bösen, der Vergebungsbereitschaft und der Friedensfähigkeit ein besonderer Stellenwert zu. 
"Diesem Bild vom Menschen entspricht ein pädagogischer Realismus, der ebenso weit von einem naiven Optimismus entfernt ist, der sich allein auf den Menschen beruft, wie er dem Pessimismus entgegentritt, der angesichts negativer Erfahrungen vorschnell resigniert." (6) Damit eröffnen sich Erziehungs- und Lebensmöglichkeiten, die freilich nur im Vertrauen auf Gott Bestand haben. 

3. Im Glauben steht der Mensch nicht allein. Durch den Heiligen Geist ist er Glied am Leib Christi. Damit ist er in eine Gemeinschaft gestellt, die ihn trägt und fördert, und für deren Lebendigkeit er zugleich mitverantwortlich ist. 

"Eine Kirche, die so etwas wie eine christliche Schule bejaht und begrüßt, muss etwas für die Lehrer dieser Schule und ihre geistlichen Bedürfnisse tun. Sonst gleicht sie einem Arbeitgeber, der hochqualifizierte Arbeitsleistung erwartet, aber die Mittel für den Lebensunterhalt nicht zur Verfügung stellt." (l) Die Lehrer der Evangelischen Schule bemühen sich, über den normalen kollegialen Umgang hinaus, zu einer geistlichen Gemeinschaft zusammenzuwachsen. Dieses Bemühen wird vor allem dann gelingen, wenn sie in eine örtliche Gemeinde eingebunden sind und von ihr mitgetragen werden. 
Das Kind bekommt damit die Möglichkeit, sich in einer Gemeinschaft von Mitchristen verstehen zu lernen, "die die biologischen, sozialen, nationalen und weltanschaulichen Grenzen überschreitet. Diese Gemeinschaft fördert und fordert es in der Ganzheit seiner Person nach Kopf, Herz und Hand. Sie verhilft dazu, seine spezifischen Gaben zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen und sich als einen Menschen zu verstehen, der von Gott auch zu ewigem Leben berufen ist." (8) 
An die Stelle eines überzogenen Emanzipationsgedankens und einer Selbstverwirklichung als der schrankenlosen Durchsetzung der Eigeninteressen tritt die Befreiung, die aus der Bindung an Christus kommt. Diese "wirkliche Freiheit hat unverzichtbare Begleiter und Gegenpole: Selbstbeherrschung, Selbstbegrenzung, Selbstzurücknahme, Pflicht, Verantwortung." (9) 
Lehrerinnen und Lehrer werden auch erfahren, dass sie trotz aller Bemühungen den Erfolg nicht in der Hand haben. Das muss nicht entmutigen, denn ein Christ weiß, dass Gott neue Möglichkeiten aufzeigen kann, wenn wir am Ende sind. 

 

IV. Konkretisierung im Schulalltag

1. Die Lehrer der Evangelischen Schule orientieren sich in ihrer pädagogischen Arbeit an den Erkenntnissen und Erfahrungen bewährter didaktischer Konzeptionen und moderner Unterrichtstheorien. 

Vor allem die positiven Errungenschaften der Reformpädagogik, die heute auch weitgehend an den öffentlichen Schulen Eingang gefunden haben, sollen dabei berücksichtigt werden. Besonderen Wert legen wir auf Lernformen, die ein selbstgesteuertes und selbstverantwortliches Lernen begünstigen. 

2. Die Realisierung der christlichen Erziehung soll sich nicht auf das Fach Religionslehre beschränken. Konkret bieten sich drei Ebenen an: 

2.1 Unterrichtsebene 

Hier gibt es immer wieder natürliche Gelegenheiten, Welt und Mensch vom Glauben her zu verstehen. In Biologie z.B. ist es das Staunen, die Ehrfurcht vor der Schöpfung und die Dankbarkeit, dass Gott Leben schenkt. Bei Themen aus dem kulturwissenschaftlichen oder gesellschaftswissenschaftlichen Bereich besteht die Möglichkeit, das biblische Menschenbild in dem Dreiklang Schöpfung, Sünde und Erlösung zur Geltung zu bringen. Im Fach Deutsch wird es von Bedeutung sein, welche Lesestoffe wir auswählen usw.. 
Religion soll neben dem Fachunterricht Unterrichtsprinzip sein. Deshalb legen wir Wert darauf, dass der Klassenlehrer, wenn möglich, selbst auch den Religionsunterricht erteilt. Es wäre begrüßenswert, wenn dies, nach Absprache mit den Kirchen und Eltern, für beide Konfessionen gemeinsam erfolgen könnte.

2.2 Beziehungsebene 

Was den Umgang mit den Schülern anbelangt, so hat hier die allgemeine Pädagogik bereits wichtige Impulse gesetzt, die eine große Nähe zum christlichen Menschenbild haben. Das Kind ernst nehmen, kindgerechte Gestaltung des Unterrichts, Lernen durch handwerkliche und geistige Selbsttätigkeit, sozialintegrativer Unterrichtsstil, Erziehung durch Beziehung, etc. - das alles sind Leitgedanken, die auch uns wichtig sind. Wir wollen diese Vorstellungen aufnehmen. 

Folgende Akzente möchten wir setzen: 

Ganzheitliche Erziehung nach" Kopf, Herz und Hand" 
Dabei sollen Formen gelebten christlichen Glaubens eingeübt und musische, sportliche, kreative und handwerkliche Fähigkeiten, unter Berücksichtigung der individuellen Anlagen des Kindes, gefördert werden. 

Einen Raum der Geborgenheit im Schulalltag bieten, 
wo durch offene Gespräche, zwangloses Zusammensein, gegenseitiges Helfen eine Atmosphäre des Vertrauens entsteht. 

Orientierung der Kinder, 
die Grenzen aufzeigt und wenn nötig Gehorsam fordert. Daraus soll ein verantwortungsbewusster Umgang mit sich selber, mit Mitschülern, Eltern und Lehrern erwachsen. 

2.3 Gestaltungsebene 

Die Schule als Ganzes will dem Kind Raum zur persönlichen Entwicklung und Gestaltung geben, z.B. durch Schulfeste, Schulfeiern, Schulgottesdienste und andere gemeinschaftliche Veranstaltungen mit allen an der Schule Beteiligten. 
Durch freiwillige Arbeitsgemeinschaften, vor allem im handwerklichen, musischen und sportlichen Bereich, sollen Leistungsfreiräume angeboten werden. Auch Eltern können hier ihre Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen und an die Schüler weitergeben. 
In den Klassen sollen die Schüler Lebens- und Ausdrucksformen christlichen Glaubens kennen lernen. 

 

V. ANMERKUNGEN UND LITERATURHINWEISE

(1) Dr. Fritz Böbel, Begegnung und Gespräch, Regelmäßige Verlegerbeilage der "Bayer. Schule", Sept. 1988

(2) H.B. Kaufmann, Die Christen und die Schule in staatlicher und freier Trägerschaft, Neukirchen-Vluyn 1989, S. 23 ff

(3) K. H. Potthast, Das Miteinander in der Schule, Vorschläge für eine christliche Erziehung, Gütersloh 1981, S. 75

(4) U. Steffens, Erkundungen zur Wirksamkeit und Qualität von Schule, in: Die Deutsche Schule, 3/1986, S. 204-205; ähnliche Ergebnisse sind dem OECD-Bericht "Quality of schooling: A clarifying report, 1987 zu entnehmen

(5) Der Gedanke der Schulgemeinde wird ausführlich dargestellt in: Grundordnung der Freien Evangelischen Schule Reutlingen, S. 16-19

(6) Pädagogisches und schulorganisatorisches Konzept der Freien christlichen Schule Bochum, S. 4

(7) Dr. Fritz Böbel, a.a.O.

(8) Pädagogisches und schulorganisatorisches Konzept der Freien christlichen Schule Bochum, S. 5

(9) Dr. Max König, Seelische Gesundheit und christliche Erziehung, S. 10, Schriftenreihe des Gnadauer Pädagogischen Arbeitskreises, Heft 7

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